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Mittwoch, 04.12.2019

Besuch der Ohel-Jakob-Synagoge in München

Besuch der Ohel-Jakob-Synagoge in München

der 9. Klassen des Gymnasiums Landau a. d. Isar

 

Im Fach Katholische Religionslehre lernen die Gymnasiasten die großen Weltreligionen kennen. Im Lehrplan der 9. Jahrgangsstufe steht das Judentum auf der Agenda. Um den Bereich „Jüdischer Glauben und jüdisches Leben“ zu vertiefen und die jüdische Synagoge als Versammlungs- und Lehrhaus kennen zu lernen, unternahmen die vier neunten Klassen des Gymnasiums Landau mit StD Eugen Fornoff, OStRin Katrin Ertl, FSJ Viktoria Stark und StDin Anna Maria Wallner erstmals eine Fahrt nach München in die 2006 fertiggestellte Hauptsynagoge am Jakobsplatz. In einer Zeit, in der man einem wieder aufkommenden Antisemitismus entgegentreten muss, sollte man auch den jüdischen Ort des Betens, Lehrens und Hörens gesehen haben. Denn das, was man kennt und versteht, schätzt und schützt man.

Nach der Sicherheitskontrolle im Gemeindezentrum führte eine Referentin die Klassen durch den „Gang der Erinnerung“, an dessen linker Wand die über 7000 Namen der von den Nazis bis 1942 ermordeten Münchner Juden zu lesen sind.

In der Vorhalle zur Synagoge ist die Vorgängersynagoge, die im Juni 1938 als eines der ersten jüdischen Gotteshäuser von den Nationalsozialisten zerstört worden war, in ihrer Silhouette in Stein gemeißelt zu sehen.

Beim Eintritt in die Synagoge ist man überwältigt von der Schönheit der Architektur, von der Höhe und dem Licht des Raumes. In der Synagoge dominiert unten der feste Stein in großen Quadern, die an die zwei zerstörten Tempel von Jerusalem und an die Klagemauer erinnern – und den festen Glauben assoziieren sollen. Oben brechen dreieckige Metallgestelle das Licht. Die verwendeten Baustoffe sind farblich aufeinander abgestimmt: das getäfelte Holz, der polierte Travertin und die Bronzeschrift. Keine menschliche Abbildung, nur die hebräische Schrift der Bibel. Vorne oben der Satz: „Wisse, wovor du stehst“ und links und rechts darunter in hebräischer Schrift die 10 Gebote.

Im Thoraschrank befinden sich die Thorarollen. Von der Antike bis heute werden diese per Hand geschrieben – auf Pergament mit Gänsefeder und Tusche. Im Gebet wird daraus gelesen. Das Podest mit vier Stangen an den Ecken für den Vorbeter wird bei Hochzeiten mit einem Baldachin umspannt, in dem dann die neue Familie mit ihren Eltern steht.

Das Lesepult vorne ist für den Vorbeter, den Kantor. Der ganze Gottesdienst wird in althebräischer Sprache gesungen. Da viele Gemeindemitglieder kein Hebräisch können, liegen zweisprachige Gebetbücher auf. Die Aufgabe des Rabbiners ist die Predigt, die nur in der Landessprache gehalten werden darf. Die Referentin erklärt dann die Bat Mizwa für die Mädchen im Alter von 12 Jahren und die Bar Mizwa für die Jungen mit 13 Jahren, die in etwa unserer Firmung entsprechen. Dann zeigt die Referentin einen Gebetsschal (Tallit), den die Männer beim Gebet tragen und der nach bestimmten Regeln aus Baumwolle oder Wolle hergestellt ist. Am Ende konnten die Schüler Fragen stellen. In München und Oberbayern leben zurzeit 10.000 Juden.

In einem zweiten Teil gab es für die Landauer eine Stadtführung über Nationalsozialismus und Judentum. An den historischen Schauplätzen im Stadtzentrum erfuhren sie viel Interessantes und zugleich Abschreckendes über die Zeit der Diktatur.

Die Fachschaft Religion bedankt sich herzlich beim Förderverein des Gymnasiums für die finanzielle Unterstützung der Exkursion.


                                           Anna Maria Wallner, StDin




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